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Fremden Kindern Grenzen setzen

von | Mai 15, 2019 | Babysitting, Expertenwissen, Familylab

Ich würde gerne fragen, wie man bei fremden Kindern die Grenzen setzt … 

… und wie man sich den zugehörigen Eltern gegenüber verhält. Ich hab oft das Gefühl, dass sich Eltern gegenseitig beieinander entschuldigen, wenn sie dem nicht-eigenen Kind mal klar gesagt haben „so nicht“. Als wäre das gesellschaftlich nicht anerkannt, auch gegenüber anderen Kindern durchzugreifen.

Grenzen zu setzen ist absolut wichtig – sofern es sich um die eigenen Grenzen handelt: Ich setzte meine Grenzen, damit der Andere weiß, wer ich bin und was für mich und mit mir geht und was nicht. Grenzen zeigen im positiven Sinne, was gemeinsam möglich ist. Ich setze meine Grenzen auch, um mich und meinen körperlichen, sozialen und emotionalen Raum zu schützen, damit ich mich sicher fühlen kann. Ohne meine Grenzen werde ich als Person unkenntlich.
Am besten zeige ich dem Anderen meine Grenzen, bevor es zu Grenzverletzungen kommt oder gekommen ist, damit ich dies ruhig, klar, bestimmt und freundlich tun kann: Pass auf, hier ist meine Grenze. Du kannst rankommen – aber bitte überschreite sie nicht!  Denn ist es erst zu einer Grenzüberschreitung gekommen, die ich vielleicht auch noch zu lange geduldet habe, werde ich dazu übergehen, meinen Raum zu verteidigen oder zurückzuerobern – mit mehr oder weniger Aggression.

Familylab Coach Mathias Thimm beantwortet eure Fragen

Regelmäßig geben wir euch in unserer Facebook-Community sowie auf unserem Instagram-Kanal die Möglichkeit eure Fragen rund um die gegenseitige Kinderbetreung loszuwerden. Mathias Thimm, FAmilien und Beziehungsberater, sowie Heilpraktiker für Psychotherapie beantwortet sie gern.
Was darf in meiner Wohnung passieren und was nicht? Wie will ich, dass wir miteinander sprechen, spielen und essen? Wo dürfen Kinder sein und wovon müssen sie ihre Finger lassen?
Damit ich meine Grenzen freundlich setzen kann, muss ich mir vor allen Dingen immer wieder darüber klar werden, was meine Grenzen sind: Was darf in meiner Wohnung passieren und was nicht. Wie will ich, dass wir miteinander sprechen, spielen und essen. Wo dürfen Kinder sein und wovon müssen sie ihre Finger lassen. Wofür müssen sie fragen und was können sie einfach so tun. Wie viel Körperkontakt in welcher Art und Weise kann ich für mich zulassen. Ich habe ein Recht auf meine Grenzen. Und ich kann sie mit gutem Gewissen setzen. Grenzen regeln das Miteinander und geben allen Sicherheit für ihr Handeln.

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Insbesondere beim ersten Besuch eines anderen Kindes muss ich diesem meine Grenzen vermitteln. Das Kind braucht diese Grenzsetzungen, damit es eine Orientierung hat, damit es weiß, mit wem es zu tun hat, wo es ist und was geht und nicht geht. Sicherlich werde ich nicht alle meine Grenzen auf einmal und im Vorhinein mitteilen, was weder notwendig noch sinnvoll ist. Ich muss vielmehr aufmerksam bleiben, um immer wieder rechtzeitig freundlich und klar Grenzen zu setzen, dort wo es für mich notwendig wird. Denn das Kind wird je nach Temperament und Lebenserfahrung immer wieder und auch wiederholt ausprobieren, was mit mir und in meiner Wohnung möglich ist.

Es ist unbedingt notwendig, dass Kinder erfahren, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Grenzen haben, und dass sie lernen, mit den Grenzen anderer Menschen respektvoll umzugehen. Dies wird vor allen Dingen dann gut gelingen, wenn Kinder erleben, dass ich mich auch für ihre Grenzen interessiere, sie achte und nicht verletze. Zwei Menschen, die gegenseitig ihre Grenzen achten, können sich miteinander sicher fühlen. Und dieses Gefühl der Sicherheit ist die grundlegende Voraussetzung für ein entspanntes und freudvolles soziales Miteinander.
Meine Grenzen verändern sich in Abhängigkeit von der Situation und von den jeweiligen Menschen. Was mein Kind bei mir darf, darf das Gast-Kind vielleicht noch lange nicht; was heute bei der Geburtstagsfeier möglich ist, ist morgen dann nicht auch möglich; was im Wald für mich okay ist, geht während der S-Bahn-Fahrt dorthin nun gar nicht. Auch das muss ich mir selbst klar machen, um es dann klar und freundlich mitteilen zu können. Unberechenbarkeit und Ungerechtigkeit sollte ich unbedingt vermeiden, weil sie ein Gefühl von Unsicherheit, Hilflosigkeit und Wut auslösen werden, Gefühle, die das soziale Miteinander sehr grundsätzlich stören.
Es ist unbedingt notwendig, dass Kinder erfahren, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Grenzen haben, und dass sie lernen, mit den Grenzen anderer Menschen respektvoll umzugehen.
Wenn meine Grenzen ganz anders sind, als das Gast-Kind es von zu Hause kennt, oder wenn das Gast-Kind keine Erfahrung mit Grenzen anderer Menschen hat, kann es sein, dass es irritiert ist und sich nicht wohl fühlt, sich eingeengt und in seiner Lebensfreude beschnitten fühlt. Vielleicht möchte es deshalb gar nicht mehr zu mir kommen. Dann ist es wichtig, miteinander zu schauen, was das Kind möchte, was seine Bedürfnisse sind, und stärker auf die Möglichkeiten zu fokussieren, die trotz meiner Grenzsetzung immer noch vielfältig da sind.
Bleibt das Kind dabei, nicht mehr kommen zu wollen, dann ist das gegebenenfalls so: Wir passen nicht zusammen, wir finden keinen Weg. Wenn das Kind jedoch kommen muss, weil die Eltern sich das so ausgedacht haben, wird es vielleicht rebellieren oder durch sein Verhalten immer wieder meine Grenzen in Frage stellen in der Hoffnung, dass sich etwas in seinem Sinne ändert. Das kann dann für alle sehr anstrengend werde. Bevor die Situation eskaliert, sollten sich daher alle, die Eltern und die Kinder, an einen Tisch setzen und ihre Erwartungen und Grenzen miteinander klären. Die Verantwortung für eine gute Lösung liegt dabei auf jeden Fall bei den Erwachsenen.

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