Wir Eltern sind auch nur Menschen, höre ich so manche Mutter, so manchen Vater stöhnen, wenn er/sie unter der Last der alltäglichen Pflichten fast zu erdrücken scheint. Und ja, sie haben recht: Wir sind Menschen und als solche streben wir danach glücklich zu sein. Warum nur scheint das Glück jetzt, da wir Kinder haben, manchmal so viel schwerer zu erreichen?

Die Antwort ist einfach: Es gibt Grundbedürfnisse, die alle Menschen haben und ohne die ein glückliches Leben nur schwer realisierbar ist: 

  1. Das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit
  2. Das Bedürfnis nach Kompetenz und Wirksamkeit
  3. Das Bedürfnis nach Autonomie und Selbstbestimmung

Warum diese Bedürfnisse für Eltern so viel schwerer zu realisierbar sind, und welche Challenge wir uns setzen um aus dem Hamsterrad zu entfliehen, sehen wir uns genauer an: 

 

Soziale Zugehörigkeit

Die Geburt eines Kindes ist oft begleitet von Einsamkeit. Besonders Mütter sind hiervon betroffen, wenn sie ein Jahr mit dem Baby zu Hause bleiben.  

In einem Artikel der Taz wird das ziemlich radikal beschrieben:

Großfamilien, in denen Kinder selbstverständlich von mehreren Erwachsenen betreut werden, was der Mutter ab und zu eine Auszeit ermöglicht, gibt es kaum noch. Verlässliche Babysitter müssen mühsam gesucht werden, wenn die eigenen Verwandten weit weg wohnen. So kann sich die Brutpflege im ersten Jahr für Mütter an anstrengenden Tagen wie eine zehn- bis zwölfstündige Einzelhaft mit Kind anfühlen, ein „Vollzeit-Job“ im wahrsten Sinne des Wortes: In Extremphasen, etwa wenn das Kind stark fremdelt, ist manchmal nicht einmal der Gang zur Toilette von der permanenten Zweisamkeit ausgenommen.

 

Aber auch nach dem ersten Jahr, ist eine soziale Anbindung, wie vor der Schwangerschaft schwer: 

Woher die Zeit nehmen für alte Freunde, Vereine, Partnerschaft, für ein Essen mit Arbeitskollegen. Ist euch aufgefallen, wie viele Mütter auf ein gemeinsames Essen verzichten, um ihre Arbeitszeit abzuleisten und schneller nach Hause zu allen weiteren Verpflichtungen zu können?

 

Kompetenz und Wirksamkeit

Als Eltern wachsen plötzlich die Felder unserer Verantwortung, und dabei die Reichweite der Konsequenzen unserer Handlungen immens an. Besonder dann, wenn Paar erst durch die Geburt eines Kindes zusammen ziehen, betreffen Unordnung, Schlechte Laune, ein leerer Kühlschrank und unsere Selbstzweifel auf einmal mindestens zwei Menschen mehr: Unseren Partner und unser Kind. Parallel dazu wird unsere verfügbare Zeit immer knapper, sodass die Chance sich auf die Teilbereiche unseres Lebens zu konzentrieren und etwas zu verbessern, immer kleiner wird. Klar kommen da Zweifel auf:

Bin ich überhaupt kompetent?
Bin ich eine gute Mutter?
Gute Arbeitnehmerin?
Gute Hausfrau?
Gute Ehefrau?
Gut zu mir selbst?

Besonders zentral für unser Glück ist die Frage, ob man eine gute Mutter / ein guter Vater ist. Hier wiederum ist das Problem: Woher weiß ich die Antwort? Was sagt mein Bauchgefühl, was sagt die Gesellschaft?

Es gab Elterngenerationen, die wussten genau, worin Erziehung zu bestehen habe. Die hatten Konzepte – ich weiß bloß nicht, ob es die richtigen waren. Wir hingegen sind nicht autoritär. Wir sind auch nicht anti-autorität. Wir wurschteln uns so durch. Manchmal denken wir, wir machen alles falsch. Der kleine Erziehungsratgeber
(Axel Hacke)

Autonomie und Selbstbestimmung

Kinder bestimmen über viel. Besonders in den ersten Jahren gibt man sich fast vollständig den Bedürfnissen der Kinder hin. Man steht auf, wenn sie aufstehen, man spielt und liest, wann sie wollen, ein großer Teil des Tagesablaufs ist an ihnen ausgerichtet. Wenn man nebenbei noch arbeitet, wird der Rest oft durch die Arbeit und Arbeitszeiten bestimmt.

Wie würdet ihr auf die Frage antworten: Wer bestimmt eigentlich mein Leben? Meine Kinder? Meine Arbeit / mein Chef? Mein Partner/ meine Partnerin? Mein Konto? Die Politik? Ich?

 

 

Unsere Challenge: 1/2 Stunde nur für dich

Bisher klingt das alles sehr düster. Wie soll man überhaupt noch glücklich sein. Aber mal ehrlich: Wie viele glückliche Momente erleben wir nicht jeden Tag? Dieser Artikel dient nicht der Förderung von Depression sondern der Entwicklung dafür, was Glück braucht und wie es gedeihen kann. Und im Grunde genommen, hat jeder das Potenzial, seinen eigenen Weg zu einem Gefühl von Kompetenz, Autonomie und sozialer Zugehörigkeit zu finden. Was wir dafür nur brauchen ist ein wenig Zeit. Zeit um inne zuhalten und uns selbst zu beobachten und zu hinterfragen. Darum setzen wir uns und euch heute folgende Challenge:

Nimm dir in der nächsten Woche 1/2 Stunde nur für dich. Was du in dieser Zeit tust, ist dir überlassen, aber versuche sie möglichst allein und ohne Pflicht-Aktivitäten wie putzen oder kochen zu verbringen. 

Wenn du in dieser Zeit ein Bad nimmst, oder Yoga machst, tust du deinem Körper gut und gewinnst Kompetenz über dich selbst zurück. 

Wenn du in der Zeit Tagebuch führst oder im Kopf Pläne schmiedest, wie du deinem Glück (und damit automatisch dem deiner Kinder) auf die Sprünge hilfst, dann ist das auch wunderbar. 

Vielleicht tut es dir am besten, wenn du meditierst oder ein Instrument spielst, probier es einfach aus.