Am 25. Februar besucht uns der erfahrene familylab Coach Mathias Thimm im Familienzentrum. Er wird eine Diskussion mit den Familien führen und sie für die Themen Liebende bleiben und Das Kind im Mittelpunkt: Wie hole ich es zurück in die Gemeinschaft? sensibilisieren. Vorab hat Ulrike von SitEinander ihn in seiner Praxis in Berlin Halensee getroffen. 

SitEinander, familylab, Mathias Thimm? Wie eins zum anderen kam.

Warum wir uns an Herrn Thimm wenden?
Seit über einem Jahr sind wir in engem Kontakt mit Family Lab. ES ist die unabhängige, internationale Organisation für Beratung und Kompetenzentwicklung in Familien, Schulen und Unternehmen. Basierend auf den Erfahrungen und Theorien des bekannten dänischen Familien-Therapeuten und Autors Jesper Juul, liegt ihr Arbeitsschwerpunkt auf Beziehungen innerhalb von Familien.  Während unserer Crowdfunding-Kampagne versorgte uns Family mit vielen Exemplaren von Jesper Juul  „Liebende Bleiben“. Das Buch ist ein Klassiker, der wie die Faust aufs Auge zu unserer Idee von gegenseitiger Kinderbetreuung passt. Jesper Juul plädiert nämlich vor allem dafür, dass Familie Eltern braucht, die mehr an sich denken, also dafür, “das Familienbudget lieber für den Babysitter aus[zu]geben als für einen stressigen Besuch im Familienrestaurant!”. Im Dezember waren wir zu Gast bei einer Berliner Tagung für Familylab-Coaches teil und konnten mit den Coaches vor Ort in den Dialog treten um unsere Ideen für starke Familien und Hilfe im Alltag auszutauschen.
Als wir vor ein paar Wochen mit der Planung unserer Schritt-für-Schritt SitEinander Gruppe saßen, fragten wir bei familylab nach einem passenden Berliner Coach für dieses Projekt.  Die Empfehlung ließ nicht lange auf sich warten: „Da empfehle ich Ihnen den erfahrenen Kollegen in 10711 Berlin Herrn Mathias Thimm. Bei ihm sind Sie in guten Händen!“ Kurz darauf saßen wir schon in seiner Praxis, um auszuloten, wie das Treffen im Familienzentrum aussehen könnte.  
Für uns von SitEinander stand bisher immer die Zeit im Vordergrund, die man braucht, um seine Partnerschaft zu beleben. Dafür stellt gegenseitige Kinderbetreuung im Freundeskreis die perfekte Grundlage, denn wer möchte oder kann schon die Babysitterkosten für eine Nacht mit 12 Euro/Stunde plus die Kosten des eigentlichen Abends regelmäßig stemmen? Da bleiben die meisten Paare doch lieber zu Hause.

 

Im Gespräch mit Herrn Thimm wurde klar, dass die Rechnung nicht so einfach ist, wie wir dachten. 

Die Wichtigkeit von Zweisamkeit als Paar stellt Thimm nicht in Frage, doch spricht er darüber hinaus  von den Grundvoraussetzungen, die überhaupt erstmal gegeben sein müssen, damit die jungen Eltern einen schönen gemeinsamen Abend miteinander verbringen können. Oftmals, so Thimm, gäbe es Kompetenzgerangel, in der Paarbeziehung, durch das sich der Vater nur noch als Gast in seiner Wohnung fühlt. Die Partnerin wird nur noch als Mutter und das Kind als Hindernis zwischen den beiden wahrgenommen. Das Paarsein, die Verbindung zwischen den beiden geht dabei verloren. Was hilft in solch einer Situation ein Zeitfenster für gemeinsame Zeit? Könnte man unter diesen Voraussetzungen Zeit zu Zweit überhaupt genießen?
Das klären der Kompetenzen, das Akzeptieren und Finden der gemeinsamen und gegenseitigen Rolle steht also unbedingt vor dem Genießen von Zweisamkeit.

Die Paare in seiner Praxis fragt er daher regelmäßig, wenn sie über die mangelnde Zweisamkeit klagen: „Was wollt ihr denn mit dieser Zeit machen? Was habt ihr denn früher, ohne Kinder gemeinsam gemacht?“ Die Antworten entscheiden dann, ob das Kind und die Mangelnde Zeit vielleicht nur ein vorgeschobenes Vehikel vor dem eigentlich Paar-Problemen ist.

Thimm rät vor allem den Müttern, zu lernen, das Muttersein auch mal zu vergessen. Zum einen ist der Verfechter der Idee des „Pump and Go“, also des Milchpumpens und die Wohnung verlassen, damit der „beste Vater der Welt“ auch mal Stillen kann. Dies helfe vor allem den Vätern ihre Rolle zu verfestigen und mehr als nur Gast in der eigenen Familie zu sein.

Aber das Vergessen des Mutterseins ist eine Kunst, die man durchaus auch praktizieren kann, wenn die Kinder im Raum bzw. der Partner gar nicht anwesend ist. Das hat natürlich nichts mit Vernachlässigung der Aufsichtspflicht zu tun. Es geht hierbei darum, dass die Kinder merken, dass Mama auch andere Dinge zu tun und andere Rollen auszufüllen hat.

Er erklärt seine Ansicht mithilfe der Metapher des Rades. Wenn Eltern ihr Leben und ihre Befürnisse an ihrem Kind ausrichten, dann verhält sich das Kind wie die Nabe eines Rades. Es steht im  Mittelpunkt und während sich alles bewegt, bewegt es sich doch selbst nicht. Die Kunst ist es, das Kind ins Leben zu integrieren, mit seinen Bedürfnissen und den eigenen, nur so könne es seiner Position als Nabe entwachsen, nur so kommt Bewegung und Entwicklung zustande.

Thimm freut sich auif die Eltern der Weddinger SitEinander Gruppe und fragt sich
„Was genau ist eigentlich die Motivation der teilnehmenden Eltern?
Was wird als größeres Problem wahrgenommen: das Sitten oder das Sitten lassen.
Geht es darum – ich möchte gern mein Kind abgeben – aber eigentlich kann ich das nicht, weil ich so an ihm hänge und keinem das zutraue.
Möchte ich vielleicht gar nicht babysitten, oder möchte ich es, traue es mir aber nicht zu?

Wir sind sehr gespannt auf die Antworten der Familien auf diese Fragen und freuen uns auf die Diskussion den Input von Herrn Thimm. Seine jahrelange Erfahrung als Sonderschullehrer und Familiencoach sowie Trauma Therapeut sowie seine charismatische Art versprechen einen spannenden Nachmittag.