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In gemütlicher Runde traf die SitEinander Wedding Gruppe auf den famiylab Coach Mathias Thimm. In unserem Vorab treffen mit Thimm, hatten wir zwei Themen abgesteckt, die gut zu SitEinander und der Gruppe passen würden, waren uns aber einig, dass wir den Moment und vor allem die Teilnehmer entscheiden lassen würden, in welche Richtung die Gespräche laufen. Und so kam es dann auch:  Die Themen „Eltern Sein – Liebende Bleiben“ und „Unser Kind aus dem Mittelpunkt zurück in die Gesellschaft holen“ wurden lediglich angeschnitten, andere Aspekte des Elternsein fanden viel mehr Anklang fanden.
Einige Eltern waren einfach nur froh, ihre Bedenken zu äußern, die eigenen Unsicherheiten loszuwerden und darin bestätigt zu werden, dass es normal ist, sich sorgen zu machen, wenn man sein Kind anderen /egal wie vertrauten Eltern überlässt. Woran liegt es, dass man anderen Eltern es zwar theoretisch zutraut sein Kind zu betreuen, emotional aber immer noch große Zweifel hat und den Schritt zur gegenseitigen Kinderbetreuung noch nicht gehen kann?

Hier waren es weniger die Perspektiven Thimms, der noch in seiner ruhigen, beobachtenden Art aktiver Zuhörer blieb, sondern Ulrike von SitEinander, die ihre Erfahrungen im Loslassen und Vertrauen einbrachte.

Es bringt zum Beispiel viel Sicherheit, das gegenseitige Babysitting erstmal trocken zu üben. Beim Schwimmen lernen, übern wir ja auch zunächst an Land die Bewegungen, dann im flachen und erst sehr viel später im tiefen Wasser. Wenn man nämlich im Fall, dass etwas schiefgeht, nicht bei einer wichtigen Veranstaltungen sondern eben zu Hause am Schreibtisch oder auf der Yoga-Matte hockt, sind der jeweilige Sitter und man selbst wesentlich entspannter.

„Ich finde es wichtig, die ersten Sits als eine Art Übung zu betrachten. Wenn etwas schief geht, sollte man unbedingt einen Plan B parat haben. Zum ersten Mal, als ich zum Beispiel einen Freund meines Sohnes allein zu seiner Kita brachte, die zufällig in der Nähe unseres Coworking Spaces liegt, hatten seine Mutter und ich folgenden Deal: Wenn etwas nicht klappt,  steige ich nach 6 Stationen aus der Straßenbahn aus und treffe die Mama in der nächsten Bahn, sodass wir dann zusammen fahren.

Die Übergabe verlief Tränenreich und der Sohn meiner Freundin weinte noch eine Station, dann gab ich ihm Münzen für den Fahrkartenautomaten in die Hand und alle Traurigkeit war über dem schönen Klimpern im Automaten vergessen. Seine Mutter sparte sich die 1,5 stündige Fahrt zur Kita und zurück ins Home-Office. Eine kurze Whatsapp-Nachricht mit Foto vom lachenden Kind, gäbe der Mutter ihr gutes Gefühl zurück.. Ulrike von SitEinander (Mama von zwei Kindern 3 und 11 Jahre)

Die Sicherheit zu wissen, dass es dem eigenen Kind gut geht, während man etwas tut, damit es einem selbst gut geht – ist die Grundvoraussetzung schlechthin für SitEinander. Genauso wichtig ist die Sicherheit, der Sitter, dass sie die Situation händeln und beiden Kindern gerecht werden. Bei diesem Thema konnte uns Herr Thimm aktiv unterstützen:

Wenn ich mir nicht zutraue, mit zwei Kindern ins Freibad zu gehen, dann sollte ich es auf keinen Fall tun. Ich muss mir als betreuender Mutter/Vater zunächst die größtmögliche Sicherheit schaffen.

Wichtig ist, dass wir Erwachsenen uns eine Umgebung der Sicherheit schaffen. So ist es eigentlich auch garantiert, dass die Kinder sich bei uns sicher und geborgen fühlen und wir unserer Verantwortung gerecht werden und diese auch mit Spaß und Gelassenheit angehen können.

Wenn ich mich aber doch für einen Sit mit Abholung entscheide, wie kann ich den Weg so sicher und entspannt wie möglich gestalten? Brauche ich ein passendes Transportmittel? Einen Zwillingskinderwagen oder einen Bollerwagen, um nicht in die Situation zu geraten, dass die Kinder aufdrehen und in verschiedene Richtungen – schlimmsten Falls auf die Straße oder in andere Gefahrenzonen laufen.

Abschließend diskutierten wir mit Thimm über ein Thema, das den Eltern ganz unabhängig von SitEinander auf dem Herzen liegt: Wut.

Ein Wutausbruch, und das ist vielen Eltern nicht klar, ist keine Entscheidung! Er kommt, weil etwas nicht stimmt für das Kind. Ob das die unfreiweillige Eile am Morgen, oder das Wegzerren von einer Beschäftigung oder für uns noch weniger verständliche Umstände sind

 

Wut kommt aus dem autonomen Nervensystem und er kommt rasend schnell. Und wenn er erst mal ins Rollen gekommen ist, dann kann ein Kind ihn alleine kaum stoppen. Soviel Selbstregulation hat kaum ein Kind entwickelt. Mathias Thimm (Heilpraktiker für Psychotherapie, Familientherapeut (ddif), Traumatherapeut (SE), Lehrer an Sonderschulen)

Was kann man tun, in Situationen, die zu eskalieren scheinen, wenn Eltern und Kinder sich gegenseitig auf die Palme bringen?
Nur selten lassen die Anfälle unsere Kinder uns selbst kalt. Ob es der Weg zum Kindergarten ist oder ein Wutanfall, weil das Frühstücksbrötchen falsch belegt wurde.

Thimm weist darauf hin, dass man hier in zwei Ebenen denken muss. Was ist in diesem Moment – sofort zu tun? – Und was ist prinzipiell zu tun/ zu ändern.

Beim nächsten Mal mache ich alles anders, bin ich schlauer – laufe ich zum Beispiel früher los. Diese Schlussfolgerung kann auch nur helfen, wenn man die Selbstdisziplin besitzt, seine Idee auch in sein Leben zu integrieren. Ziel sollte es sein, dem Kind uns sich selbst langfristig Sicherheiten zu schaffen, in denen Abläuft und auch Toleranzbereiche klar sind und sowohl zu unseren als auch den Vorstellungen der Kinder passen.

Für den Moment gelten ganz andere Regeln: Das Wichtigste ist, so Thimm, das System wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Wut muss raus und hier fangen wir Eltern am besten bei uns an. Er vergleicht das mit den Sicherheitsvorschriften im Flugzeug:

„Im unwahrscheinlichen Fall eines Druckverlusts, fallen automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecken. Ziehen Sie sie ganz zu sich heran und drücken Sie sie fest auf Mund und Nase. Helfen Sie danach Kindern und hilfsbedürftigen Menschen“

 

Wenn starke Gefühle im Kind aufwallen, kann es nicht gleichzeitig darüber nachdenken, wo die herkommen und was es damit machen soll. Es braucht die Unterstützung eines Erwachsenen, der beruhigt und bindet.
Und wenn das Kind sich beruhigt hat und im Kontakt wieder sicher fühlt, kann es auch über seine starke Emotionen nachdenken und lernen, damit umzugehen.

„Im unwahrscheinlichen Fall eines Druckverlusts, fallen automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecken. Ziehen Sie sie ganz zu sich heran und drücken Sie sie fest auf Mund und Nase. Helfen Sie danach Kindern und hilfsbedürftigen Menschen“ Mathias Thimm (Heilpraktiker für Psychotherapie, Familientherapeut (ddif), Traumatherapeut (SE), Lehrer an Sonderschulen)

Wir alle konnten an diesem Nachmittag viel mitnehmen. Wir sind inspiriert, motiviert und ein wenig nachdenklich. Vor allem sind wir dankbar für die Zeit, die uns Mathias Thimm geschenkt hat.